Urteil zur Tagesschau-App – und nun?

Recht bekommen haben die Zeitungsverleger in der ersten Instanz. Na und? Noch mag das vielleicht ein Etappensieg für die Verlage sein. Trotzdem halte ich es für ein grundsätzliches Eigentor. Warum?

Die öffentlich-rechtlichen Sender werden nie so Zeitung sein, wie es die Zeitungen sind. Und das ist genau das Problem. Denn was wird den Medienkonsum in Zukunft ausmachen? Die klassische Zeitung hat da garantiert ausgedient – keine Frage. Aber auch die Attraktivität von textreichen Angeboten hat ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Die Übertragungsraten werden steigen und auch die noch üblichen Begrenzungen fürs Daten-Übertragungsvolumen auf den Handys werden in nicht allzu ferner Zeit der Vergangenheit angehören. Diese Infrastruktur ist Grundlage für mehr Bild- und Ton-Inhalte und textlastige Angebote werden abnehmen. Genau diese Textlastigkeit wird der ARD im Urteil zur Tagesschau zur Last gelegt. Es zwingt die öffentlich-rechtlichen Sender schneller dazu, ihre eigentliche Stärke auszuspielen und wird damit die Verlage noch schneller schwächen und gibt den Verlagen somit auch weniger Zeit, ihre eigenen Angebote den neuen Nutzungsgewohnheiten anzupassen. Denn für die multimediale Schlacht sind die Produktionen der ARD besser geeignet, als die Angebote der meisten Verlage. Denn deren multimediale Auswüchse beschränken sich allzu oft in die Einbettung von Agenturbeiträgen von der Stange, die sich qualitativ nicht gerade auf hörens- und sehenswertem Niveau befinden.

Das kommt davon, wenn die Verlage auf die falsche Strategie setzen und lieber nach aussen schlagen, als sich nach innen besser aufzustellen, um dann auch nach aussen zu glänzen. Mir tut es leid für die Kolleginnen und Kollegen in den Verlagen, die durch eine falsche Politik ihrer Häuser um die rasche Weiterentwicklung gebracht werden und damit immer weiter sinkende Reichweiten haben werden. Allerdings könnte es auch eine Chance für kleine Verlage sein, besser zu sein, als die Platzhirsche, die sich die Zeit mit sinnlosen Prozessen vergeuden, die im Endeffekt ins eigene Fleisch schneiden.

Die Gesellschaft und die Content-Mafia

Content-Mafia ein immer verbreiteterer Sammelbegriff für die großen Verlage für Presse, Fernsehen, Musik und Film. Früher waren die Medien und auch die Verlage eine angesehene gesellschaftliche Instanz als vierte Gewalt im Staat. Wie konnte es so weit kommen? Ein Gesellschaftlicher Abstieg der Medienmacht.

Ein Teufelskreis, der dazu führt. Früher gab es eine breite Landschaft an privaten, kleinen, regionalen Zeitungsverlagen. Es gab viele kleine Zeitungs-Verlage oft im Familienbesitz. Zwar gab es auch damals schon oft Gebiets-Monopole. Dies lag aber auch daran, dass sich eine zweite Zeitung in diesem Gebiet nicht unbedingt gerechnet hätte. Im Zuge der Einführung des privaten Radios und der privaten Fernsehsender zwischen Anfang der 80er und Anfang der 90er, hatten die Verlage Angst vor dem Verfall der Werbepreise. Ein guter Einfluß auf die Politik und und ein gegenseitiges Geben und Nehmen führte dann dazu, dass sogenannte Verlegerprivillege eingeführt wurden und diese sich am privaten Rundfunk (mehrheitlich) beteiligen durften. Eine Konzentration auf zu wenige Anbieter sollte durch die KEK verhindert werden. Eine Kontrollinstanz für die Konzentration im Medienbereich. In der analogen Welt war das auch einigermaßen wirkungsvoll.

Die digitale Welt ist da allerdings etwas anders aufgestellt. Die Netzgesellschaft liebt die Vielfalt und informiert sich sehr breit. Die etablierten Papier-Verlage haben sich aber immer noch nicht an diese neue Zeit gewöhnt. Das Geld über die neuen Verbreitungswege bleibt aus. Statt ihre Redaktionen aufzustocken und so eine (Meinungs-)Vielfalt auch in den Redaktion vertreten zu haben, bringen Berater mit reiner betriebswirkschagftlicher Sicht die Verlage auf den falschen Kurs. Meinungs-Vielfalt wird als “Doppelstruktur” angeprangert, eingestampft und abgeschafft. Wichtige Termine werden statt wie früher von mehreren KollegInnen nur noch von einem Reporter besetzt. Aus JournalistInnen werden Agentur-Copy- and PasterInnen. Das ist günstiger als eingene Leute überall einzusetzen. Auch eine Einordnung der Informationen findet immer weniger statt. Es kostet ja alles Zeit und Geld. Reine Agenturmeldungen können die LeserInnen aber überall im Netz finden. Da bleibt niemand auf der Seite der einen oder anderen Zeitung hängen. Deshalb sind dann wieder weniger Leute bereit, für diese Zeitungen zu zahlen.  Hier schließt sich der Kreis, zumindest in der vereinfachten Form. natürlich spielen viel mehr Faktoren eine Rolle.

Zum einen die enge Verknüpfung von Politk und der Chefetage der Medien. Da wird nicht nur miteinander geredet, sondern die Gesellschaft hat den Eindruck, dass gerade die Verbindung zwischen großen Verlagen und Politik eine sehr innige ist und die Medien es dehalb nicht mehr schaffen, ihrem Auftrag als vierte Gewalt nachzukommen. Verschärft hat den Eindruck nicht zuletzt der letzte Anlauf zur Novelle des Leistungsschutzrechts, in der die großen Verlage weitere Vorteile für sich herausschlagen wollten und auch konnten. Aber der Teufelskreis hat schon viel früher angefangen. Die sinkenden Auflagen der Blätter in Papierform und ein Verfall auf dem Markt der Anzeigenpreise. Auch das gegenseitige aufeinander eindreschen zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Sender, sorgt nicht für ein Überleben. Weder ein Überleben der einen noch der anderen. Es sitzen nämlich alle in einem Boot. Während sich die vierte Gewalt im Staat also gerade selbst abschafft, freuen sich die, die eigentlich von der vierten Gewalt kontrolliert werden sollten: Die Menschen mit Macht. Zum Beispiel in der Politik.

Kölner Lesben- und Schwulentag diskriminiert unabhängige Medien

Der Kölner CSD entwickelt sich anscheinend immer mehr zu einer elitären Veranstaltung. Zumindest was die Möglichkeiten der Medien angeht, die gerne ausführlicher berichtet hätten. Denen wurde die gewünschte Akkreditierung verweigert. Die Akkreditierung bekamen statt dessen nur die wenigen goßen Zeitungen oder Sender, nicht aber unabhängige Medien. Unter den MedienmacherInnen wird die Kritik an der Akkreditierungspraxis zur Colognepride immer lauter. Dies ist besonders traurig, weil die Veranstaltung erst durch kleine, unabhängige Medien zu dem werden konnte, was sie heute ist.

Unter dem Motto “Ja, ich will” wurde in diesem Jahr ein forderndes, politisches Motto gewählt. Die Komplexität der Thematik wird aber wohl kaum in der Regelberichterstattung der großen Medien den ausreichenden Platz finden. Kleine, unabhängige Medien arbeiten dagegen oft tiefgründiger an diesen Themen. Umso erschreckender, dass genau dies den JournalistInnen dieser Medien nun verwehrt wird.

Auch aus historischen Gründen halte ich nichts von einer Einschränkung der Berichterstattung. Sobald MedienvertreterInnen über einen Presseausweis der bekannten ausstellenden Organisisationen ver.di, DJV oder Jugendpresse verfügen, sollten diese ohne Probleme zur ungehinderten Berichterstattung zugelassen werden. Die Pressefreiheit und die Medienvielfalt in unserem Land sind hohe Güter und unverzichtbar für eine offene und tolerante Gesellschaft. Ein Veranstalter einer solchen politischen Veranstaltung kann nicht auf der einen Seite in der Gesellschaft den Abbau von Diskriminierung fordern und auf der anderen Seite selbst diskriminieren, wenn es um die Berichterstattung der Medien geht. Auch kleine Medien sind eine Minderheit, die gleiche Rechte in der Berichterstattung haben müssen.

Die Redaktionen von report-k und mein-koeln konnten durch die Verwährung der Akkreditierung nicht der gewünschten Ausführlichkeit vom CSD in Köln brichten.

Personalratswahl im WDR

Die Zukunft und die Vielfalt der Medien liegen mir sehr am Herzen. Diese Zukunft gestalte ich in der Politik und in meiner Gewerkschaft ver.di aktiv mit. Sie hängt für mich nicht zuletzt ab von motivierten Kolleginnen und Kollegen. Hierzu ist es auch wichtig, dass die Rechte als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im WDR ernst genommen und durchgesetzt werden.

Seit dem Mitte 2011 gilt in NRW das neue Landespersonalvertretungsgesetz, dass die Mitbestimmung auch im WDR regelt. Darin ist auch die ausdrückliche Mitbestimmung in „Rationalisierungs-, Technologie- und Organisationsangelegenheiten“ geregelt. Auch vor Organisationsentscheidungen, die beteiligungspflichtige Maßnahmen zur Folge haben, ist der Personalrat frühzeitig und fortlaufend zu informieren.

Eine besonders wichtige Neuerung ist, dass nun auch Freie KollegInnen an den Wahlen zum Personalrat teilnehmen dürfen sowie AÜG-Kräfte. Hier geht es, wie bei den Festangestellten, um die Überwachung der Tarifverträge, aber auch um ganz spezielle Arbeitsbedingungen.

Persönlich freue ich mich über die Wiedereingliederung der Belegschaft der WDR Gebäudemanagement GmbH in den WDR zum August 2012. Noch besser wäre es gewesen, die KollegInnen gar nicht erst auszugliedern. Zu solchen Fehlentscheidungen kommt es, weil politisch die falschen Rahmenbedingungen gesetzt wurden und die KEF einen pauschalen Planstellendeckel beschließen konnte. Hier muss politisch nachgebessert werden, damit solche Fehler in Zukunft nicht mehr passieren.

Als Personalratsmitglied gibt es viel zu tun. Prekäre Arbeitsverhältnisse mit immer mehr Zeitverträgen sind ein wichtiges Feld. Auch ich habe lange unter der ständigen Ungewissheit leiden müssen, ob ein Mensch weiter im WDR bleiben kann oder nicht. Auch die zunehmende Arbeitsverdichtung und die daraus entstehenden gesundheitlichen Folgen in der Belegschaft sind ein großes Arbeitsfeld.

Ver.di Seite zur Personalratswahl im WDR.

Der Wulff im (schwarzen) Schafspelz

Ich weiss nicht warum, aber ich hatte immer ein ungutes Gefühl bei diesem “Bundespräsidenten”. Von Anfang an. Auf mich wirkte er nie authentisch. Verstärkt hat sich das ganze noch durch seinen Besuch im Herbst auf dem ver.di Bundeskongress. Bei seiner Rede dort konnte ich ihm mal längere Zeit genauer zuhören. Das ungute Gefühl wurde dadurch noch verstärkt. Er hatte was von einem Pfarrer, der einen auf Moralapostel macht. Ich weiss nicht warum, aber irgendwie habe ich ihm das nicht abgekauft.

Soll ich mich nun darüber freuen, dass mein Gefühl mich mal wieder nicht getäuscht hat? Nein, ich freue mich nicht darüber. Denn das Amt des Bundespräsidenten war für mich immer etwas Besonderes. Auch wenn ich mir hier und da immer auch andere Personen dafür hätte vorstellen können. Bisher hatte die Bundesversammlung eigentlich immer ein ganz gutes Händchen.

Diese besondere Stellung hat sich unser aktueller Bundespräsident bereits vor seiner Wahl verspielt. Nun ist es an der Zeit für Herrn Wulff aus Respekt vor der Institution der Bundespräsidentschaft eine klare Entscheidung zu treffen. Mit seinem aktuellen Rumgeeiere hat Wulff dagegen jeden Respekt verspielt. Wenn Christian Wulff nicht Staatsoberhaupt und Witzfigur in einem sein möchte, sollte er sich schleunigst etwas einfallen lassen. Die Schuld bei der Presse statt bei sich selbst zu suchen und einfach nur von

“Staub aufwirbeln”

zu sprechen, halte ich für respektlos, vor der der Presse in ganz Deutschland. Hat die Presse den Kredit irgendwo aufgenommen oder verspielt hier gerade vieleicht jemand seinen Kredit bei der Bevölkerung? Wie weit ist dieser Bundesprädident mittlerweile von seiner Bevölkerung entfernt?

Abschaffung von Plastiktüten

Ich freue mich, dass auf dem gerade vergangenen Bundesparteitag der Grünen in Kiel unser Antrag zum Thema Plastiktüten angenommen wurde.

“Wir wollen Plastiktüten abschaffen. Tüten auf Basis von fossilen Rohstoffen, die unter natürlichen Bedingungen nicht biologisch abbaubar sind, müssen in Deutschland und europaweit aus dem Verkehr gezogen werden. Als ein erster Schritt zur Abschaffung soll unverzülich eine Umweltabgabe in Höhe von 22 Cent pro Tüte eingefürt werden. Die Einnahmen aus der Abgabe sollen zur Förderung alternativer Verpackungen, für Öffentlichkeitsarbeit zur Vermeidung von Kunststoffabfällen und für die Entwicklung verbesserter Entsorgungsoptionen für Kunststoffabfälle verwendet werden. Sollte diese Maßnahme nicht zum Erfolg führen, setzen wir uns für ein Verbot von Plastiktüten ein.”

Auf Initiative einiger Parteimitglieder aus Köln wurde dieser Antrag entwickelt und für den Bundesparteitag eingereicht, mit der Unterstützung vieler weiterer Grüner aus ganz Deutschland, die den Antrag und die passenden Änderungsanträge unterstützt haben.

Ken FM – Kritische Sendung nach Antisemitismus-Vorwürfen von Sender genommenen – Die Radioszene diskutiert

Ken FM, ein Radioformat, dass aus dem Rahmen fällt. Beim RBB-Sender “Fritz” nimmt man sich Zeit, und versucht, die Themen der aktuellen Themen einzuordnen. Manchmal auch mit einem etwas anderen Blickwinkel auf die Dinge. Die letzte Sendung am Sonntag wurde dann kurzerhand abgebrochen. Dazu der Moderator auf Youtube.

Über das Niveau der Sendung, die seit 10 Jahren im RBB läuft, lässt sich stellenweise natürlich streiten, trotzdem ist dieser Kollege ein Radiomacher durch und durch. Er hat das Medium sehr gut verstanden. Einfache Formulierungen werden gewählt und er hilft, Nachrichten einzuordnen. Zumindest gibt er eine Möglichkeit dazu.

Im Vergleich zu anderen Radiosendungen mit einem so hohen Wortanteil, wirkt die Sendung aber verhältnismäßig flach. Das liegt aber vor allem an der einfachen Wortwahl, mit der aber auch ganz andere Menschen für die Themen gewonnen werden können, als bei einer Diskussion auf Presseclub-Niveau.

Noch tiefer als das Niveau der Sendung des RBB-Kollegen ist aber an vielen Stellen das Niveau der Diskussion über die Sendung unter den RadiokollegInnen im “Radioforum“. Allein schon die Wahl des Thread-Titels:

“Ken Jebsen: Demagogie und Antisemitismus auf GEZ-Kosten”.

Allein diese Headline ist Demagogie pur und der Autor “Makeitso” hats nicht gemerkt. Irgendwie verstanden hat das Radio wohl auch der User “webradioo”. Er macht kurzen Prozess und kommentiert den Anreißer zum Thema mit

“Einweisen…”.

Etwas mehr Zeit hat sich “Grenzwelle” genommen:

“..wer soll denn im Gesinnungstribunal der Sender sitzen, und nach welchen Kriterien soll es entscheiden? Ab wenn fällt man denn in Ungnade? Unwillkürlich fällt mir der Fall Eva Hermans ein. Wäre ein Herr Sarrazin nicht Politiker, sondern Journalist geworden, hätte ihn sein Sender auch rausgeschmissen? Wenn man das auf breiter Front macht, haben alle Journalisten nur noch die Schere im Kopf, wobei mir das heute schon oft so vorkommt, wenn ich mir die Programme so angucke und -höre.”

Ganz in meine Richtung geht da die Äußerung von “monotonie” zu diesem Thema:

“Na ich weiß nicht, was Ihr unter Seriösität versteht. Nur die Wiedergabe des Meinungsspektrums der Bundesregierung? Ich bezweifele, dass es “seriöses Verantwortungsbewußtsein” sei, z.B. fundamentale Kritik an der Politik des Staates Israel, die bestimmten Machteliten nicht passt, mit Antisemitismus gleichzusetzen. Und analytisches Hinterfragen der internationalen medien- und machtpolitischen Mechanismen als Demagogie ab zu kanzeln ist für meinen Geschmack mehr als unseriös und würde ich eindeutig als Gesinnungstribunal auffassen. Ich sehe und höre in den Videos (teilweise sicherlich polemisierende) Meinungsäußerungen und Bewertungen von Hintergründen und Zusammenhängen, die sehr wohl in einem staatsfernen ö.-re. Rundfunk einen Platz haben müssen. Wie wäre es mal, die Aussagen inhaltlich zu hinterfragen, denn es werden ‘ne Menge Aussagen thematisiert, die durchaus belegbare, bekannte (aber in der vermeintlich “seriösen” Berichterstattung unterbewerte) Tatsachen sind.”

Ich teile ebenfalls die Auffassung von “Radiokult:

“Jebsen in die rechte Ecke zu schieben, finde ich dann doch reichlich gewagt. Den seine Sendungen waren immer sehr überspitzt und streitbar. Auf der Homepage zur Sendung gibts genügend Beispiele über die man stundenlang diskutieren könnte.”

Wenn man das so deutet, wie es “empire 1970″ macht, also nur eine willkommene Gelegenheit zum absetzen?

“Was hat eine solche Sendung zu dieser Uhrzeit auf einem Jugendradio verloren? talkradio und dann im DLF oder DLR wäre der bessere Platz gewesen. Oder der Zündfunk bei Bayern2. Selbst dort hätte ich wegen der aufgestellten Thesen und Themen keine große Zukunft gesehen. Ihm einen Maulkorb zu schmieden wäre wohl nicht richtig gewesen. Bleibt also nur absetzen?”

Die Ergänzung von “julian david” geht in die selbe Richtung:

“Also anders ausgedrückt: Was hat politische Bildung im Jugendradio verloren? Wie kann der öffentlich rechtliche Rundfunk dem Versuch Jugendlichen eine kritische Betrachtung der Medien beizubringen eine Bühne bieten? In meinem Weltbild ist genau das seine Aufgabe!”

In Weltbild meinem übrigens auch. Es gibt aber auch Leute, die das Medium Radio gerne ausschließlich in den Händen der Bildungs-Elite hätten. Einer davon “laser 558″:

“Mit einem derart grausamen Deutsch macht der Mann wirklich Programm? Ist ein Abitur nicht bei den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern Mindestvoraussetzung?”

Ohne zu wissen, ob der Kollege, über den gesprochen wird, Abitur hat oder nicht. User, die solche Kommentare verfassen, gehören für mich nicht in eine Radio-Redaktion. Denn in einem guten Programm wird verständlich gesprochen, ummöglcihst viele Menschen mit den Inhalten erreichen zu können. Es soll nicht klingen, wie eine vorgelesene Deutsch-Klausur.

Bei allem Frust über das Niveau der user im Radioforum, war ich dann doch ganz froh, dass der User mit dem Einweisen-Kommentar “webradioo” auch zu literarischen Glanzleistungen fähig ist:

“Nach all den Rätseln, die da wären,
bliebe nun wohl noch zu klären,
wer in diesem Sender
war denn der Beender?”

Wenn ich meiner Menschenkenntnis trauen kann, werden sich die Vorwürfe gegen den Kollegen hoffentlich bald in Luft auflösen und die Sendung wird, wie gewohnt, fortgesetzt. In seiner Sendung wirkt Ken durch und durch authentisch. Da passt Antisemitismus auch nicht ins das allgemeine Menschenbild, was der Kollege in seinen Sendunge nach aussen hin vertritt.

Kleiner Nachtrag: Inzwischen hat übrigens auch der Sender reagiert und angekündigt, die Sendung am kommenden Sonntag wieder im Programm zu haben. Mit einem kleinen Haken. Zitat aus der Berliner Zeitung:

“Unklar bleibt zunächst, ob der Sender Jebsen längerfristig beschäftigen wird oder ob sein Vertrag in Kürze beendet wird.”

Aus dem Rundbrief “Forum” von Ver.di im WDR: David Jacobs über Apps im Visier

Ob zur Katastrophe von Fukushima oder zum Tod von Leo Kirch. Die Tagesschau-App hält mich seit Monaten auf dem Laufenden und bei besonders wichtigen Ereignissen vibritert es mal kurz und ich bekomme eine Art SMS angezeigt, in der eine Schlagzeile steht. Kein Wunder, dass dieses omnipräsente, attraktive Produkt ein paar Zeitungsverlegern ein Dorn im Auge ist. So auch unserem langjährigen Kooperationspartner, der WAZ, die uns als günstigen Content-Lieferanten für das Portal “der Westen” nutzen durfte. WAZ und andere Verlage, wie der Kölner quasi-Monopolist Du Mont Schauberg oder auch Springer, klagen nun gegen die App.

Eines könnte der öffentlich-rechtliche Rundfunk vom Springer-Blatt Bild mit Sicherheit noch lernen: Ein selbstbewusstes Auftreten. Natürlich mit weniger Polemik und auf unserem Niveau. Statt sich edelmütig zurückzuhalten, sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Öffentlichkeit sich selbstbewusst als starkern Faktor in der Medienlandschaft darstellen. Wir müssen uns hinter einer Bild nicht verstecken. Im Gegenteil. Denn der wirkliche Anwalt der kleinen Frau oder des kleinen Mannes sind wir. Das müssen wir auch nach außen vermitteln. Klotzen statt kleckern.

Im Prozess halte ich persönlich die Chancen der Verleger für nicht sehr groß. Wenn man es technisch betrachtet, dann ist die App sogar noch mehr Rundfunk, als die Internetseite tagesschau.de. Denn die Übertragung zum Handy oder Tablet-PC erfolgt in der Regel drahtlos. Und die App dient ohnehin nur einer anderen Darstellung der Inhalte, die eh schon fürs Netz aufbereitet werden.

Das eigentliche Problem liegt aber woanders. Rückblende: Ende der 90er war ich in einem kleinen Radiosender der einzige, der sich mit dem Online-Auftritt des Senders befasste. Selbst zu dieser Zeit war der WDR schon deutlich weiter. Damals wurden auch in Lokalzeitungs-Verlagen und den Radiosendern, die den Verlagen gehören, Leute belächelt, die sich mit dem Internet als Verbreitungsweg befasst haben. Schon damals merkte ich, dass dort der Anschluss an die technische und gesellschaftliche Entwicklung verpasst wird. Das Problem setzt sich in den Verlagen bis heute fort.

Die Klage und der folgende Prozess scheint für mich nur ein Aufhänger zu sein, um die öffentlich-rechlichen in den eigenen Zeitungen zu diffamieren. Gleichzeitig können die Verlage von ihren eigenen hausinternen Schwächen ablenken. Ideenmangel und die Abhängigkeit von Anzeigenkunden, die auch immer mehr Einfluss auf die Inhalte haben wollen. Das merken auch die LeserInnen und sind nicht mehr bereit, Geld für die Artikel zu zahlen. Ein Teufelskreis. Dabei wünsche ich den KollegInnen in den Verlagen zukunftsfähige Arbeitsplätze. Vom Himmel fallen diese aber nicht, sondern entstehen nur in innovationsfreudigen Unternehmen. Ich gebe gerne Geld aus für gut gemachte Medien. Es ist aber keine Innovation, wenn Artikel von Schleichwerbung (z.B. die ganzen Volks-Produkte der Springer-Presse) gespickt sind. Ich zahle nur für wirklich unabhängigen Journalismus.

Auf den Prozess dazu bin ich schon sehr gespannt. Spannender wäre es sogar, wenn die Verlage ihre Kraft nicht für einen Schaukampf der Medien untereinander opfern, sondern diese für eine vielfältige, qualitative und innovative Medienlandschaft verwenden.

Murdoch und Kirch

Gestern ging es heiß her im britischen Parlament. Die Folgen des Abhörskandals beim Murdoch-Blatt “News of the World” nehmen ihren Lauf. Obwohl die Parallelen garnicht so groß sind, musste ich dabei unweigerlich an den ruhmlosen Abgang von Leo Kirch auf der deutschen Medienbühne denken. Heute, nicht einmal einen Tag später bekomme ich per Tagesschau-App die Nachricht, dass Leo Kirch gestorben ist. Zufall.

Outsourcing bei der HGK in Köln?

Heute war ich auf einer Dikussionsveranstaltung zum Hafenausbau in Zollstock. Als über das Vorgehen der Häfen und Güterverkehr Köln AG zum Betrieb der Hafenanlagen geredet wurde, traute ich meinen Gewerkschafter-Ohren nicht. Habe ich das richtig verstanden? Die HGK gibt fertige Hafenanlagen ab und lässt sie von anderen betreiben? Ich kenne das unter dem Begriff Outsourcing. Dabei werden Unternehmensaufgaben abgegeben an Drittunternehmen. Die  Auslagerung von Arbeitsplätzen in dient meistens dazu die Menschen kostengünstiger zu beschäftigen mit deutlich schlechteren Tarifverträgen oder sogar ohne Tarifverträge.

Warum unterstützt der DGB dann die HGK und damit ein outsoucendes Unternehmen bei seiner Kampagne? Normalerweise ist dem DGB sowas eher ein Dorn im Auge.