Piloten sind harmlos gegen Jauch, Will oder Plasberg

Sie quatschen gerne über Probleme in der Gesellschaft. Für manche sind sie aber auch Teil der Probleme unserer Gesellschaft. Die prominenten Quasselstrippen im Fernsehen. Woche für Woche überschütten sie uns mit den immer selben Gästen. Vom Aufwand her sind solche Talkformate extrem attraktiv. Der Rechercheaufwand hält sich, im Vergleich zu anderen Formaten, in überschaubaren Grenzen. Mit wenig Aufand bekommt man bis zum gewünschten Termin eine recht kalkulierbare Sendestrecke gebaut. Immer die selben Gäste machen auch die Quoten sehr vorhersehbar. Kurzum: Da macht man nichts falsch. Oder doch?

Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft bilden diese Talksendungen jedenfalls nicht ab. Allenfalls das Bild einer Parallelgesellschaft. Nämlich die Parallelgesellschaft einer Talkshow-Elite.

In diesem Herbst scheint das Thema Tarifeinheit sehr beliebt zu sein. Reihenweise reibt man sich an Ärzten, Piloten oder Lokführern, deren Gewerkschaften sich oft nicht damit abgeben wollen, alle Beschäftigen in ihren Unternehmen oder Einrichtungen zu vertreten. Krankenschwestern, -Pfleger oder FlugbegleiterInnen sind halt Menschen zweiter Klasse, wenn man selbst Medikamente verschreiben darf oder große Flugzeuge steuert. Das sich das Fernsehen damit intensiv befasst ist gut und richtig. Ich würde es nur authentischer finden, wenn sich andere ModeratoratorInnen damit befassen würden.

Bei den bekannten Nasen habe ich irgendwie das Gefühl, es wird nur angeprangert weil das gerade so schön in den Kram passt. Denn wenn sooo viele Menschen unter den Streiks leiden, steht Wind günstig, um das bestehende, maue Streikrecht noch ein wenig mehr zu beschneiden.

Von Tarifverträgen halten die FragenableserInnen eh nicht viel. Denn damit ist für die Talkshow-Elite zu wenig Kohle zu holen. Nichts für Quasselstrippen mit Eurozeichen in den Augen. Die machen es vorbei an den Tarifverträgen der Sender. Und so funktionierts: Der Verkaufspreis solcher Formate, wenn sich die Massen einmal an die Gesichter geöhnt haben, kann sehr üppig sein. Der geringe Aufwand sorgt für eine hohe Gewinnspanne und volle Taschen. Die ganze Sendung wird einfach inklusive Moderation als Produkt über die eigene Firma angeboten und schon klingelt die Kasse.

Ein solches Vorgehen ist noch dreister als das von Cockpit und Co. Wie will man dieser abgebrühten Talkshow-Elite abkaufen, dass sie noch weiß, was normale Menschen auf der Straße bewegt? An solche Stellen gehören Menschen mit der nötigen Erdung, bezahlt nach den normalen Tarifverträgen. Keine Menschen, die sich auf Kosten der RundfunkbeitragszahlerInnen über diese Umwege die Taschen füllen.