Eurovision mal anders! – Plädoyer für EU-weite öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt

Mein Vornamensvetter in Großbritannien, der dortige Premierminister David Cameron, versucht gerade mit populistischen Anti-EU-Reden, seinen erzkonservatioven Parteiflügel zu steicheln. Das macht natürliche eine kleine Runde über die Titelseiten der klassischen und digitalen Medien und schwups ist die EU wieder mal in aller Munde.

Was die PolitikerInnen auf EU-Ebene aber seit Generationen nicht hinbekommen, ist ein Gemeinsamkeitsgefühl der Menschen in Europa zu erreichen. Statt sich als Französinnen und Franzosen, ItalienerInnen, PolInnen oder auch Kölner zu fühlen, sollten Menschen sich lieber als EuropäerInnen oder sogar Weltbürger fühlen. Wie bekommen wir das hin? Ein möglicher Weg ist auf jeden Fall, Gemeinsamkeiten und über gemeinsame Medien zu kommunizieren. Egal ob positiv oder negativ. Wir besitzen in Europa eine breite Medienlandschaft in den einzelnen Staaten, die an inhaltlicher Vielfalt aber zunehmend abbaut. Die bisherige Medienlandschaft kann es nicht ausreichend leisten, dieses Gemeinsamkeitsgefühl entstehen zu lassen. Es muss daher noch eine weitere Ebene über die einzelnen EU-Staaten hinaus hinzukommen.

Die Versuche europäische Medien zu installieren liefen dagegen bisher ins leere. Euronews läuft halbherzig und sendet fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Auch Arte ist gut gemeint. Beschränkt sich aber leider nur auf Deutschland und Frankreich. Ebenso ist 3Sat eine Insellösung. Zudem dümpeln die kommerziellen Medien in weiten Teilen Europas dahin. Ganze Zeitungen werden eingestellt, quasi durch Kaputtsparen gleichgeschaltet. Kein Wunder, dass für sowas auch keinE LeserIn mehr bereit ist, etwas zu bezahlen. ich bekomme ja überall im Netz die gleichen Agenturmeldungen. Kann man das noch als MedienVIELFALFT bzeichnen? Schafft es ein solches System, der Aufgabe als vierte Gewalt gerecht zu werden?

Der leider einzige halbwegs stabile Faktor in unsere Medienlandschaft ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Aber auch hier wird, besonders von den kränkelnden Verlagen, immer versucht, auch diesen kaputt zu reden. Nach dem Motto: “Wenn wir (Mainstream-)Verlage schon untergehen, sollen die öffentlich-rechtlichen Sender gefälligst auch krepieren.” Was bleibt dann noch? Doch wer kontrolliert unsere PolitikerInnen in Brüssel und Straßburg überhaupt, wenn sich unsere Medienlandschaft kaputtspart? Gibt es eine funktionierende vierte Gewalt?

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat sich in vielen Staaten Europas bewährt. Die britische BBC war auch großes Vorbild für das deutsche Rundfunksystem. Manchmal wird da immer noch abgekupfert. Andere Stellen, wie das breit aufgestellte Diversity-Management der BBC werden dagegen eher halb- bis viertelherzig kopiert, wenn überhaupt. Statt zu kleckern, sollten wir an dieser Stelle klotzen. Wir brauchen einen breit aufgestellten öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Europa. Im Netz sowie über Satellit und auch terrestrisch. Eine funktionierende vierte Gewalt, die das Zusammenwachsen Europas ganzheitlich, kritisch und konstruktiv begleitet. Die neue Anstalt sollte breit informieren, die kulturellen Gemeinsamkeiten, die Unterschiede und insbesondere das kulturelle Zusammenwachsen begleiten. Auch Unterhaltende Formate für ganz Europa bräuchten hier einen hohen Stellenwert.

Wie könnte das in der Praxis aussehen? Einen Fehler der politischen EU-Ebene sollte aber nicht wiederholt werden. Nicht alle 23 Amtssprachen der EU dürfen als Hauptsprachen im Programm auftauchen. Wir bräuchten 2-3 Hauptsprachen, in denen dann das Programm produziert wird, die die MacherInnen im Programm sprechen. Aber warum muss man eigentlich jeden O-Ton nochmal extra übersetzen? Wenn die O-Töne im richtigen Kontext eingesezt werden und gut eingebettet sind, erklärt sich der Inhalt ganz von selbst. So käme dann auch die gesamte sprachliche Vielfalt in der EU zu Wort.