Zur Idee der Produzentenverbände zum Verhaltenskodex für ARD und ZDF

Für die „unabhängigen Produzentenverbände“ werden die öffentlich-rechtlichen Budgets auf einmal interessant. Aber erst jetzt. Woher kommt das? Solange es noch bei den Privatsendern genug Geld zu holen gab, waren diese Produzenten auch mit den Aufträgen von dort glücklich. Doch diese Aufträge gehen seit Jahren zurück. Denn bei den Privatsendern gibt es schon lange einen Trend zu Billig-Produktionen, die aber möglichst viel Quote bringen. Und die Hire- and Fire-Mentalität vieler Privatsender hat diese „unabhängigen Produzenten“ – klingt  jetzt vielleicht zynisch – gänzlich unabhängig gemacht. Aus der Not heraus wird deshalb der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die interessant, die vorher für die Privaten produziert haben.

Die Kultur in den öffentlich-rechtlichen Sendern ist allerdings insgesamt eine sozialere als die der Privatsender, deren Kultur die „unabhängigen Produzenten“ zum Opfer gefallen sind. Nach Möglichkeit versuchen die öffentlich-rechtlichen Sender mit Festangestellten oder festen Freien MitarbeiterInnen zu produzieren. Und das ist gut so! Geregelte Tarife ohne Dumping bei outgesourcten Produktionen. Ohne Neid und mit geregelten Arbeitszeiten und bezahlten oder abgefeierten Überstunden. Das sollte meiner Meinung nach auch bei allen Produktionen so laufen. Dumm nur, dass es da ein Politikum und Machtinstrument gibt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender so versucht zu gängeln. Die KEF – eine Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Vom Grundsatz her eine gute Einrichtung. Allerdings hat diese nicht nur den allgemeinen Finanzbedarf im Auge, sondern auch die Planstellen. Wenn ich ein normales Unternehmen habe, habe ich nur Kosten für mein Produkt. Mir ist es aber egal, ob es Personalkosten oder Sachkosten sind. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist das anders. Da gibt es ein Gremium, dass nicht nur sagt, wie viel Geld insgesamt bereitgestellt werden darf, sonder zusätzlich noch einen Planstellen-Deckel für öffentlich-rechtliche Sender vergibt. Also ein klarer Wettbewerbsnachteil im Vergleich zur freien Wirtschaft, in der es egal ist, ob die Kosten nun für Personal oder für Sach/Material-Kosten anfallen.

Den Wildwuchs der Tochterfirmen bei ARD und ZDF, den die „unabhängigen Produzenten“ kritisieren, ist auch nur eine „Notlösung”. Das eigentliche Problem ist die Trennung der KEF in Personalkosten und Sachkosten. Und die setzt einen Deckel auf Planstellen und damit auf die Personalkosten. Durch die Gründung von Tochterfirmen können aus den Personalkosten Sachkosten werden und großartig Gewinne müssten die Töchter auch nicht abwerfen. So sind diese günstig und können gleichzeitig tariflich bezahlte Arbeit mit geregelten Bedingungen anbieten.

Wie kommen wir raus aus dem Schlamassel?

Die Politik sollte einmal neu über die Kompetenzen der KEF nachdenken. Einen Deckel für alles – egal ob Sachkosten oder Personalkosten. Abgesehen davon sollte auch die Entsendung in die KEF neu geregelt werden. Bisher schicken die MinisterpräsidentInnen der Bundesländer Menschen in diese Kommission. Damit ist diese gleichzeitig ein Spielball der Politik. Hier muss eine breitere Basis für die Entscheidung gefunden werden. Zum Beispiel könnten die Rundfunkräte in den jeweiligen Landesrundfunkanstalten die Entsendung beschließen.