Urteil zur Tagesschau-App – und nun?

Recht bekommen haben die Zeitungsverleger in der ersten Instanz. Na und? Noch mag das vielleicht ein Etappensieg für die Verlage sein. Trotzdem halte ich es für ein grundsätzliches Eigentor. Warum?

Die öffentlich-rechtlichen Sender werden nie so Zeitung sein, wie es die Zeitungen sind. Und das ist genau das Problem. Denn was wird den Medienkonsum in Zukunft ausmachen? Die klassische Zeitung hat da garantiert ausgedient – keine Frage. Aber auch die Attraktivität von textreichen Angeboten hat ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Die Übertragungsraten werden steigen und auch die noch üblichen Begrenzungen fürs Daten-Übertragungsvolumen auf den Handys werden in nicht allzu ferner Zeit der Vergangenheit angehören. Diese Infrastruktur ist Grundlage für mehr Bild- und Ton-Inhalte und textlastige Angebote werden abnehmen. Genau diese Textlastigkeit wird der ARD im Urteil zur Tagesschau zur Last gelegt. Es zwingt die öffentlich-rechtlichen Sender schneller dazu, ihre eigentliche Stärke auszuspielen und wird damit die Verlage noch schneller schwächen und gibt den Verlagen somit auch weniger Zeit, ihre eigenen Angebote den neuen Nutzungsgewohnheiten anzupassen. Denn für die multimediale Schlacht sind die Produktionen der ARD besser geeignet, als die Angebote der meisten Verlage. Denn deren multimediale Auswüchse beschränken sich allzu oft in die Einbettung von Agenturbeiträgen von der Stange, die sich qualitativ nicht gerade auf hörens- und sehenswertem Niveau befinden.

Das kommt davon, wenn die Verlage auf die falsche Strategie setzen und lieber nach aussen schlagen, als sich nach innen besser aufzustellen, um dann auch nach aussen zu glänzen. Mir tut es leid für die Kolleginnen und Kollegen in den Verlagen, die durch eine falsche Politik ihrer Häuser um die rasche Weiterentwicklung gebracht werden und damit immer weiter sinkende Reichweiten haben werden. Allerdings könnte es auch eine Chance für kleine Verlage sein, besser zu sein, als die Platzhirsche, die sich die Zeit mit sinnlosen Prozessen vergeuden, die im Endeffekt ins eigene Fleisch schneiden.