Ken FM – Kritische Sendung nach Antisemitismus-Vorwürfen von Sender genommenen – Die Radioszene diskutiert

Ken FM, ein Radioformat, dass aus dem Rahmen fällt. Beim RBB-Sender “Fritz” nimmt man sich Zeit, und versucht, die Themen der aktuellen Themen einzuordnen. Manchmal auch mit einem etwas anderen Blickwinkel auf die Dinge. Die letzte Sendung am Sonntag wurde dann kurzerhand abgebrochen. Dazu der Moderator auf Youtube.

Über das Niveau der Sendung, die seit 10 Jahren im RBB läuft, lässt sich stellenweise natürlich streiten, trotzdem ist dieser Kollege ein Radiomacher durch und durch. Er hat das Medium sehr gut verstanden. Einfache Formulierungen werden gewählt und er hilft, Nachrichten einzuordnen. Zumindest gibt er eine Möglichkeit dazu.

Im Vergleich zu anderen Radiosendungen mit einem so hohen Wortanteil, wirkt die Sendung aber verhältnismäßig flach. Das liegt aber vor allem an der einfachen Wortwahl, mit der aber auch ganz andere Menschen für die Themen gewonnen werden können, als bei einer Diskussion auf Presseclub-Niveau.

Noch tiefer als das Niveau der Sendung des RBB-Kollegen ist aber an vielen Stellen das Niveau der Diskussion über die Sendung unter den RadiokollegInnen im “Radioforum“. Allein schon die Wahl des Thread-Titels:

“Ken Jebsen: Demagogie und Antisemitismus auf GEZ-Kosten”.

Allein diese Headline ist Demagogie pur und der Autor “Makeitso” hats nicht gemerkt. Irgendwie verstanden hat das Radio wohl auch der User “webradioo”. Er macht kurzen Prozess und kommentiert den Anreißer zum Thema mit

“Einweisen…”.

Etwas mehr Zeit hat sich “Grenzwelle” genommen:

“..wer soll denn im Gesinnungstribunal der Sender sitzen, und nach welchen Kriterien soll es entscheiden? Ab wenn fällt man denn in Ungnade? Unwillkürlich fällt mir der Fall Eva Hermans ein. Wäre ein Herr Sarrazin nicht Politiker, sondern Journalist geworden, hätte ihn sein Sender auch rausgeschmissen? Wenn man das auf breiter Front macht, haben alle Journalisten nur noch die Schere im Kopf, wobei mir das heute schon oft so vorkommt, wenn ich mir die Programme so angucke und -höre.”

Ganz in meine Richtung geht da die Äußerung von “monotonie” zu diesem Thema:

“Na ich weiß nicht, was Ihr unter Seriösität versteht. Nur die Wiedergabe des Meinungsspektrums der Bundesregierung? Ich bezweifele, dass es “seriöses Verantwortungsbewußtsein” sei, z.B. fundamentale Kritik an der Politik des Staates Israel, die bestimmten Machteliten nicht passt, mit Antisemitismus gleichzusetzen. Und analytisches Hinterfragen der internationalen medien- und machtpolitischen Mechanismen als Demagogie ab zu kanzeln ist für meinen Geschmack mehr als unseriös und würde ich eindeutig als Gesinnungstribunal auffassen. Ich sehe und höre in den Videos (teilweise sicherlich polemisierende) Meinungsäußerungen und Bewertungen von Hintergründen und Zusammenhängen, die sehr wohl in einem staatsfernen ö.-re. Rundfunk einen Platz haben müssen. Wie wäre es mal, die Aussagen inhaltlich zu hinterfragen, denn es werden ‘ne Menge Aussagen thematisiert, die durchaus belegbare, bekannte (aber in der vermeintlich “seriösen” Berichterstattung unterbewerte) Tatsachen sind.”

Ich teile ebenfalls die Auffassung von “Radiokult:

“Jebsen in die rechte Ecke zu schieben, finde ich dann doch reichlich gewagt. Den seine Sendungen waren immer sehr überspitzt und streitbar. Auf der Homepage zur Sendung gibts genügend Beispiele über die man stundenlang diskutieren könnte.”

Wenn man das so deutet, wie es “empire 1970″ macht, also nur eine willkommene Gelegenheit zum absetzen?

“Was hat eine solche Sendung zu dieser Uhrzeit auf einem Jugendradio verloren? talkradio und dann im DLF oder DLR wäre der bessere Platz gewesen. Oder der Zündfunk bei Bayern2. Selbst dort hätte ich wegen der aufgestellten Thesen und Themen keine große Zukunft gesehen. Ihm einen Maulkorb zu schmieden wäre wohl nicht richtig gewesen. Bleibt also nur absetzen?”

Die Ergänzung von “julian david” geht in die selbe Richtung:

“Also anders ausgedrückt: Was hat politische Bildung im Jugendradio verloren? Wie kann der öffentlich rechtliche Rundfunk dem Versuch Jugendlichen eine kritische Betrachtung der Medien beizubringen eine Bühne bieten? In meinem Weltbild ist genau das seine Aufgabe!”

In Weltbild meinem übrigens auch. Es gibt aber auch Leute, die das Medium Radio gerne ausschließlich in den Händen der Bildungs-Elite hätten. Einer davon “laser 558″:

“Mit einem derart grausamen Deutsch macht der Mann wirklich Programm? Ist ein Abitur nicht bei den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern Mindestvoraussetzung?”

Ohne zu wissen, ob der Kollege, über den gesprochen wird, Abitur hat oder nicht. User, die solche Kommentare verfassen, gehören für mich nicht in eine Radio-Redaktion. Denn in einem guten Programm wird verständlich gesprochen, ummöglcihst viele Menschen mit den Inhalten erreichen zu können. Es soll nicht klingen, wie eine vorgelesene Deutsch-Klausur.

Bei allem Frust über das Niveau der user im Radioforum, war ich dann doch ganz froh, dass der User mit dem Einweisen-Kommentar “webradioo” auch zu literarischen Glanzleistungen fähig ist:

“Nach all den Rätseln, die da wären,
bliebe nun wohl noch zu klären,
wer in diesem Sender
war denn der Beender?”

Wenn ich meiner Menschenkenntnis trauen kann, werden sich die Vorwürfe gegen den Kollegen hoffentlich bald in Luft auflösen und die Sendung wird, wie gewohnt, fortgesetzt. In seiner Sendung wirkt Ken durch und durch authentisch. Da passt Antisemitismus auch nicht ins das allgemeine Menschenbild, was der Kollege in seinen Sendunge nach aussen hin vertritt.

Kleiner Nachtrag: Inzwischen hat übrigens auch der Sender reagiert und angekündigt, die Sendung am kommenden Sonntag wieder im Programm zu haben. Mit einem kleinen Haken. Zitat aus der Berliner Zeitung:

“Unklar bleibt zunächst, ob der Sender Jebsen längerfristig beschäftigen wird oder ob sein Vertrag in Kürze beendet wird.”