Kategorie-Archiv: Köln

Von wegen Beamten-Rundfunk

Gestern (08.09.2015) war mein erster Streiktag. Nach über zehn Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe ich zusammen mit vielen anderen KollegInnen die Arbeit ruhen lassen, um  unserer Tarifforderung Nachdruck zu verleihen. Auch wenn bei der Streikbereitschaft durchaus Luft nach oben war, war es ein starkes Signal.

Denn irgendwie muss ich in diesen Zusammenhängen gerne an den Vorwurf des Beamten-Rundfunks denken, der gerne gegenüber öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gemacht wird. Das liegt vielleicht auch an der weit verbreiteten Meinung, Beamte dürften nicht streiken.

Viele KollegInnen beim WDR haben gestern daher genau das Gegenteil dieser “Beamten-Mentalität” gezeigt. Wobei ich ausdrücklich klarstellen will, dass ich nichts gegen Beamte habe. Sie sind wichtig für einen funktionieren Staat. In manchen Bereichen wäre es praktischer gewesen, wenn man diese garnicht erst abgeschafft hätte.

Doch zurück zum Rundfunk: Hier ist eine “Beamten-Mentalität” vollkommen fehl am Platz. Das besondere Dienst- und Treueverhältnis zwischen BeamtInnen und dem Staat, gibt es für Menschen im ö-r Rundfunk nicht. Zum Glück, denn sonst wäre ein staatsferner Rundfunk unmöglich. Deshalb freue ich mich über alle KollegInnen, die gestern gezeigt haben, dass sie keine Rundfunk-Beamten sind!

Dennoch fehlt es im WDR an einer Streik-Kultur. In den vielen persönlichen Gesprächen habe ich viel Unsicherheit zum Thema verspürt. Dürfen wir streiken? Wie geht das? In den nächsten Jahren kommt da noch viel Informationsarbeit auf uns zu.

Ein weitere Problem: Die oft hohe Identifikation mit der eigenen Arbeit, der eigenen Sendung, hat zur Folge, dass dann doch wieder die Beamten-Mentalität, das besondere Dienst und Treueverhältnis, durchkommt. Vor einigen Jahren war diese Identifikation bei den KollegInnen aber noch viel stärker. Insofern nehme ich da in den letzten Jahren eine, wenn auch sehr langsame, Veränderung wahr. Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Tarifauseinandersetzung, in denen es wahrscheinlich dann auch um mehr Themen als nur Vergütung gehen wird.

Großer Dank an alle staatsfernen KollegInnen, die beim Streik dabei waren!

Kölner Lesben- und Schwulentag diskriminiert unabhängige Medien

Der Kölner CSD entwickelt sich anscheinend immer mehr zu einer elitären Veranstaltung. Zumindest was die Möglichkeiten der Medien angeht, die gerne ausführlicher berichtet hätten. Denen wurde die gewünschte Akkreditierung verweigert. Die Akkreditierung bekamen statt dessen nur die wenigen goßen Zeitungen oder Sender, nicht aber unabhängige Medien. Unter den MedienmacherInnen wird die Kritik an der Akkreditierungspraxis zur Colognepride immer lauter. Dies ist besonders traurig, weil die Veranstaltung erst durch kleine, unabhängige Medien zu dem werden konnte, was sie heute ist.

Unter dem Motto “Ja, ich will” wurde in diesem Jahr ein forderndes, politisches Motto gewählt. Die Komplexität der Thematik wird aber wohl kaum in der Regelberichterstattung der großen Medien den ausreichenden Platz finden. Kleine, unabhängige Medien arbeiten dagegen oft tiefgründiger an diesen Themen. Umso erschreckender, dass genau dies den JournalistInnen dieser Medien nun verwehrt wird.

Auch aus historischen Gründen halte ich nichts von einer Einschränkung der Berichterstattung. Sobald MedienvertreterInnen über einen Presseausweis der bekannten ausstellenden Organisisationen ver.di, DJV oder Jugendpresse verfügen, sollten diese ohne Probleme zur ungehinderten Berichterstattung zugelassen werden. Die Pressefreiheit und die Medienvielfalt in unserem Land sind hohe Güter und unverzichtbar für eine offene und tolerante Gesellschaft. Ein Veranstalter einer solchen politischen Veranstaltung kann nicht auf der einen Seite in der Gesellschaft den Abbau von Diskriminierung fordern und auf der anderen Seite selbst diskriminieren, wenn es um die Berichterstattung der Medien geht. Auch kleine Medien sind eine Minderheit, die gleiche Rechte in der Berichterstattung haben müssen.

Die Redaktionen von report-k und mein-koeln konnten durch die Verwährung der Akkreditierung nicht der gewünschten Ausführlichkeit vom CSD in Köln brichten.

Abschaffung von Plastiktüten

Ich freue mich, dass auf dem gerade vergangenen Bundesparteitag der Grünen in Kiel unser Antrag zum Thema Plastiktüten angenommen wurde.

“Wir wollen Plastiktüten abschaffen. Tüten auf Basis von fossilen Rohstoffen, die unter natürlichen Bedingungen nicht biologisch abbaubar sind, müssen in Deutschland und europaweit aus dem Verkehr gezogen werden. Als ein erster Schritt zur Abschaffung soll unverzülich eine Umweltabgabe in Höhe von 22 Cent pro Tüte eingefürt werden. Die Einnahmen aus der Abgabe sollen zur Förderung alternativer Verpackungen, für Öffentlichkeitsarbeit zur Vermeidung von Kunststoffabfällen und für die Entwicklung verbesserter Entsorgungsoptionen für Kunststoffabfälle verwendet werden. Sollte diese Maßnahme nicht zum Erfolg führen, setzen wir uns für ein Verbot von Plastiktüten ein.”

Auf Initiative einiger Parteimitglieder aus Köln wurde dieser Antrag entwickelt und für den Bundesparteitag eingereicht, mit der Unterstützung vieler weiterer Grüner aus ganz Deutschland, die den Antrag und die passenden Änderungsanträge unterstützt haben.

Outsourcing bei der HGK in Köln?

Heute war ich auf einer Dikussionsveranstaltung zum Hafenausbau in Zollstock. Als über das Vorgehen der Häfen und Güterverkehr Köln AG zum Betrieb der Hafenanlagen geredet wurde, traute ich meinen Gewerkschafter-Ohren nicht. Habe ich das richtig verstanden? Die HGK gibt fertige Hafenanlagen ab und lässt sie von anderen betreiben? Ich kenne das unter dem Begriff Outsourcing. Dabei werden Unternehmensaufgaben abgegeben an Drittunternehmen. Die  Auslagerung von Arbeitsplätzen in dient meistens dazu die Menschen kostengünstiger zu beschäftigen mit deutlich schlechteren Tarifverträgen oder sogar ohne Tarifverträge.

Warum unterstützt der DGB dann die HGK und damit ein outsoucendes Unternehmen bei seiner Kampagne? Normalerweise ist dem DGB sowas eher ein Dorn im Auge.