Kategorie-Archiv: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Von wegen Beamten-Rundfunk

Gestern (08.09.2015) war mein erster Streiktag. Nach über zehn Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe ich zusammen mit vielen anderen KollegInnen die Arbeit ruhen lassen, um  unserer Tarifforderung Nachdruck zu verleihen. Auch wenn bei der Streikbereitschaft durchaus Luft nach oben war, war es ein starkes Signal.

Denn irgendwie muss ich in diesen Zusammenhängen gerne an den Vorwurf des Beamten-Rundfunks denken, der gerne gegenüber öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gemacht wird. Das liegt vielleicht auch an der weit verbreiteten Meinung, Beamte dürften nicht streiken.

Viele KollegInnen beim WDR haben gestern daher genau das Gegenteil dieser “Beamten-Mentalität” gezeigt. Wobei ich ausdrücklich klarstellen will, dass ich nichts gegen Beamte habe. Sie sind wichtig für einen funktionieren Staat. In manchen Bereichen wäre es praktischer gewesen, wenn man diese garnicht erst abgeschafft hätte.

Doch zurück zum Rundfunk: Hier ist eine “Beamten-Mentalität” vollkommen fehl am Platz. Das besondere Dienst- und Treueverhältnis zwischen BeamtInnen und dem Staat, gibt es für Menschen im ö-r Rundfunk nicht. Zum Glück, denn sonst wäre ein staatsferner Rundfunk unmöglich. Deshalb freue ich mich über alle KollegInnen, die gestern gezeigt haben, dass sie keine Rundfunk-Beamten sind!

Dennoch fehlt es im WDR an einer Streik-Kultur. In den vielen persönlichen Gesprächen habe ich viel Unsicherheit zum Thema verspürt. Dürfen wir streiken? Wie geht das? In den nächsten Jahren kommt da noch viel Informationsarbeit auf uns zu.

Ein weitere Problem: Die oft hohe Identifikation mit der eigenen Arbeit, der eigenen Sendung, hat zur Folge, dass dann doch wieder die Beamten-Mentalität, das besondere Dienst und Treueverhältnis, durchkommt. Vor einigen Jahren war diese Identifikation bei den KollegInnen aber noch viel stärker. Insofern nehme ich da in den letzten Jahren eine, wenn auch sehr langsame, Veränderung wahr. Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Tarifauseinandersetzung, in denen es wahrscheinlich dann auch um mehr Themen als nur Vergütung gehen wird.

Großer Dank an alle staatsfernen KollegInnen, die beim Streik dabei waren!

Piloten sind harmlos gegen Jauch, Will oder Plasberg

Sie quatschen gerne über Probleme in der Gesellschaft. Für manche sind sie aber auch Teil der Probleme unserer Gesellschaft. Die prominenten Quasselstrippen im Fernsehen. Woche für Woche überschütten sie uns mit den immer selben Gästen. Vom Aufwand her sind solche Talkformate extrem attraktiv. Der Rechercheaufwand hält sich, im Vergleich zu anderen Formaten, in überschaubaren Grenzen. Mit wenig Aufand bekommt man bis zum gewünschten Termin eine recht kalkulierbare Sendestrecke gebaut. Immer die selben Gäste machen auch die Quoten sehr vorhersehbar. Kurzum: Da macht man nichts falsch. Oder doch?

Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft bilden diese Talksendungen jedenfalls nicht ab. Allenfalls das Bild einer Parallelgesellschaft. Nämlich die Parallelgesellschaft einer Talkshow-Elite.

In diesem Herbst scheint das Thema Tarifeinheit sehr beliebt zu sein. Reihenweise reibt man sich an Ärzten, Piloten oder Lokführern, deren Gewerkschaften sich oft nicht damit abgeben wollen, alle Beschäftigen in ihren Unternehmen oder Einrichtungen zu vertreten. Krankenschwestern, -Pfleger oder FlugbegleiterInnen sind halt Menschen zweiter Klasse, wenn man selbst Medikamente verschreiben darf oder große Flugzeuge steuert. Das sich das Fernsehen damit intensiv befasst ist gut und richtig. Ich würde es nur authentischer finden, wenn sich andere ModeratoratorInnen damit befassen würden.

Bei den bekannten Nasen habe ich irgendwie das Gefühl, es wird nur angeprangert weil das gerade so schön in den Kram passt. Denn wenn sooo viele Menschen unter den Streiks leiden, steht Wind günstig, um das bestehende, maue Streikrecht noch ein wenig mehr zu beschneiden.

Von Tarifverträgen halten die FragenableserInnen eh nicht viel. Denn damit ist für die Talkshow-Elite zu wenig Kohle zu holen. Nichts für Quasselstrippen mit Eurozeichen in den Augen. Die machen es vorbei an den Tarifverträgen der Sender. Und so funktionierts: Der Verkaufspreis solcher Formate, wenn sich die Massen einmal an die Gesichter geöhnt haben, kann sehr üppig sein. Der geringe Aufwand sorgt für eine hohe Gewinnspanne und volle Taschen. Die ganze Sendung wird einfach inklusive Moderation als Produkt über die eigene Firma angeboten und schon klingelt die Kasse.

Ein solches Vorgehen ist noch dreister als das von Cockpit und Co. Wie will man dieser abgebrühten Talkshow-Elite abkaufen, dass sie noch weiß, was normale Menschen auf der Straße bewegt? An solche Stellen gehören Menschen mit der nötigen Erdung, bezahlt nach den normalen Tarifverträgen. Keine Menschen, die sich auf Kosten der RundfunkbeitragszahlerInnen über diese Umwege die Taschen füllen.

Damoklesschwert KEF

Egal, ob privater Sender, öffentlich-rechtlicher Sender oder Zeitungsverlag. Überall ist Sparen die Trend-Zielvorgabe, die den Geist unserer Zeit angibt. Die Medien in Deutschland sparen sich alle kaputt, bis sie in nicht allzu ferner Zukunft völlig irrelevant sind. Ist das die Vierte Gewalt von morgen?

Kann Sparen überhaupt ein Ziel sein oder ist Sparen vielmehr ein Mittel, mit dem man ein bestimmtes Ziel erreichen könnte? Zunehmend werden in den Rundfunkanstalten die Berichte der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz KEF-Berichte, als Druckmittel gegen die ArbeitnehmerInnen verwendet. Doch welche Verbindlichkeit haben diese Berichte? Die KEF ist nicht Teil der Gesetzgebung. Sie liefert lediglich regelmäßig einen Bericht für die Landtage. Und die Landtage bekommen viele Berichte in unterschiedlicher Qualität. Diese nehmen ihn dann als Grundlage für die Festsetzung des neuen Rundfunkbeitrags.

Auch sind die KEF-Mitglieder nicht breit legitimiert über die Landtage entsandt oder von den gesellschaftlich noch breiter aufgestellten Rundfunkräten. Nein, die KEF ist an dieser Stelle ein großes Politikum. Die MinisterpräsidentInnen der Länder höchst persönlich entsenden jeweils eine Person in das 16-köpfige Gremium, aus bestimmten Bereichen nach einem bestimmten Schlüssel. Vier davon sind die PräsidentInnen der Landesrechnungshöfe. Diese haben natürlich einen einseitigen Controllerblick. Dazu gesellen sich dann noch einige WirtschaftsprüferInnen, darunter der Aufsichtsratschef von PricewaterhouseCoopers. Den neoliberalen Blick komplettiert dann auch noch ein Professor für BWL. Ein paar Notare und Rechtsanwälte dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Rundfunk-Kompetenz verteilt sich in dem Gremium, wohlwollend gemeint, auf zwei Personen. Einer davon kommt sogar aus NRW und ist Journalist. Der andere wurde von Niedersachsen entsandt, arbeitet an der TU-Braunschweig als Professor für Nachrichtentechnik. Der Rest des Gremiums wird mit wenigen Volkswirten aufgefüllt. Blamabel an dieser Stelle auch: Das Gesamtgremium besteht aktuell aus 15 Männern und nur einer Frau.

Worauf muss die KEF denn nun achten, wenn sie ihren Bericht abliefert? Sie nimmt immerhin Rücksicht auf die Programmautonomie der Rundfunkanstalten. Die Kommission kümmert sie sich darum, die Anmeldungen der Geschäftsleitungen der Rundfunkanstalten „fachlich zu überprüfen und den Finanzbedarf festzustellen. Die Überprüfung bezieht sich darauf, ob sich die Programmentscheidungen im Rahmen des rechtlich umgrenzten Rundfunkauftrages (..) halten und ob der aus ihnen abgeleitete Finanzbedarf im Einklang mit den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit ermittelt worden ist.“ Wie will man das aber ermitteln, wenn man nicht wirklich genug Zeit hat, sich intensiv mit der Materie zu beschäftigen?

Man darf nie vergessen, für wen der Bericht gedacht ist und welche Personen in dem Gremium KEF sitzen. Sie ist ein von hoher politischer Stelle besetztes Organ mit einer lausigen Kompetenz, nämlich der regelmäßigen Zulieferung von Berichten, über dessen Qualität sich streiten lässt. Es gibt ja auch MinisterpräsidentInnen, die den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr oder weniger wohl gesonnen sind. Entsprechend, kann man vermuten, werden sich die von ihnen entsandten Menschen auch bei ihrer Arbeit in der KEF verhalten.

Viele in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bekommen Angst, sobald sie nur den Begriff „KEF“ hören. Dabei scheint die KEF ein mit dem Auftrag maßlos überforderter Haufen zu sein. Denn die ganzen Leute haben ja noch andere Jobs. Selbst, wenn sich diese Personen in Vollzeit mit der Materie beschäftigen könnten, wäre es schon schwer, dann kompetent zu berichten. Aber manche müssen halt noch nebenher so einen Landesrechnungshof leiten. Oder andere hier und da als Professor arbeiten.

Im Vorfeld der Erstellung der KEF-Berichte wird natürlich nur die Rundfunkanstalt angehört, also ausschließlich die Arbeitgeberseite. Aus Sicht von Gewerkschaftern also sehr einseitig. Denn die KEF gestaltet ihre Anhörungen nicht paritätig und ist auch nicht so besetzt.

Wie passt das mit unserem Grundgesetz zusammen? Auf die „Rundfunkfreiheit“ nehmen die KEF-Regelungen Rücksicht. Sie nehmen aber keine Rücksicht auf die im Grundgesetz verankerte „Tarifautonomie“. Denn hier gilt das Prinzip der Subsidiarität und die Tarifverhandlungen werden in den Rundfunkanstalten geführt. Trotzdem werden die KEF-Berichte immer wie ein Damoklesschwert auf die Belegschaft gerichtet.

Ein großes Problem ist jedoch, dass diese Berichte an vielen Stellen in den Rundfunkanstalten unreflektiert verbindlich zitiert werden und blind versucht wird, alles Beschriebene in die Tat umzusetzen.

Wenn ein Rundfunkrat viel Programm bestellt, muss im auch genügend Personal zur Erfüllung des Auftrags bereitgestellt werden. Wenn der Auftrag nicht ausreichend erfüllt werden kann, sind die KEF-Entscheidungen sogar eine Gefahr für den Auftrag der Rundfunkanstalten und damit auch für die Rundfunkfreiheit.

Eurovision mal anders! – Plädoyer für EU-weite öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt

Mein Vornamensvetter in Großbritannien, der dortige Premierminister David Cameron, versucht gerade mit populistischen Anti-EU-Reden, seinen erzkonservatioven Parteiflügel zu steicheln. Das macht natürliche eine kleine Runde über die Titelseiten der klassischen und digitalen Medien und schwups ist die EU wieder mal in aller Munde.

Was die PolitikerInnen auf EU-Ebene aber seit Generationen nicht hinbekommen, ist ein Gemeinsamkeitsgefühl der Menschen in Europa zu erreichen. Statt sich als Französinnen und Franzosen, ItalienerInnen, PolInnen oder auch Kölner zu fühlen, sollten Menschen sich lieber als EuropäerInnen oder sogar Weltbürger fühlen. Wie bekommen wir das hin? Ein möglicher Weg ist auf jeden Fall, Gemeinsamkeiten und über gemeinsame Medien zu kommunizieren. Egal ob positiv oder negativ. Wir besitzen in Europa eine breite Medienlandschaft in den einzelnen Staaten, die an inhaltlicher Vielfalt aber zunehmend abbaut. Die bisherige Medienlandschaft kann es nicht ausreichend leisten, dieses Gemeinsamkeitsgefühl entstehen zu lassen. Es muss daher noch eine weitere Ebene über die einzelnen EU-Staaten hinaus hinzukommen.

Die Versuche europäische Medien zu installieren liefen dagegen bisher ins leere. Euronews läuft halbherzig und sendet fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Auch Arte ist gut gemeint. Beschränkt sich aber leider nur auf Deutschland und Frankreich. Ebenso ist 3Sat eine Insellösung. Zudem dümpeln die kommerziellen Medien in weiten Teilen Europas dahin. Ganze Zeitungen werden eingestellt, quasi durch Kaputtsparen gleichgeschaltet. Kein Wunder, dass für sowas auch keinE LeserIn mehr bereit ist, etwas zu bezahlen. ich bekomme ja überall im Netz die gleichen Agenturmeldungen. Kann man das noch als MedienVIELFALFT bzeichnen? Schafft es ein solches System, der Aufgabe als vierte Gewalt gerecht zu werden?

Der leider einzige halbwegs stabile Faktor in unsere Medienlandschaft ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Aber auch hier wird, besonders von den kränkelnden Verlagen, immer versucht, auch diesen kaputt zu reden. Nach dem Motto: “Wenn wir (Mainstream-)Verlage schon untergehen, sollen die öffentlich-rechtlichen Sender gefälligst auch krepieren.” Was bleibt dann noch? Doch wer kontrolliert unsere PolitikerInnen in Brüssel und Straßburg überhaupt, wenn sich unsere Medienlandschaft kaputtspart? Gibt es eine funktionierende vierte Gewalt?

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat sich in vielen Staaten Europas bewährt. Die britische BBC war auch großes Vorbild für das deutsche Rundfunksystem. Manchmal wird da immer noch abgekupfert. Andere Stellen, wie das breit aufgestellte Diversity-Management der BBC werden dagegen eher halb- bis viertelherzig kopiert, wenn überhaupt. Statt zu kleckern, sollten wir an dieser Stelle klotzen. Wir brauchen einen breit aufgestellten öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Europa. Im Netz sowie über Satellit und auch terrestrisch. Eine funktionierende vierte Gewalt, die das Zusammenwachsen Europas ganzheitlich, kritisch und konstruktiv begleitet. Die neue Anstalt sollte breit informieren, die kulturellen Gemeinsamkeiten, die Unterschiede und insbesondere das kulturelle Zusammenwachsen begleiten. Auch Unterhaltende Formate für ganz Europa bräuchten hier einen hohen Stellenwert.

Wie könnte das in der Praxis aussehen? Einen Fehler der politischen EU-Ebene sollte aber nicht wiederholt werden. Nicht alle 23 Amtssprachen der EU dürfen als Hauptsprachen im Programm auftauchen. Wir bräuchten 2-3 Hauptsprachen, in denen dann das Programm produziert wird, die die MacherInnen im Programm sprechen. Aber warum muss man eigentlich jeden O-Ton nochmal extra übersetzen? Wenn die O-Töne im richtigen Kontext eingesezt werden und gut eingebettet sind, erklärt sich der Inhalt ganz von selbst. So käme dann auch die gesamte sprachliche Vielfalt in der EU zu Wort.

Zur Idee der Produzentenverbände zum Verhaltenskodex für ARD und ZDF

Für die „unabhängigen Produzentenverbände“ werden die öffentlich-rechtlichen Budgets auf einmal interessant. Aber erst jetzt. Woher kommt das? Solange es noch bei den Privatsendern genug Geld zu holen gab, waren diese Produzenten auch mit den Aufträgen von dort glücklich. Doch diese Aufträge gehen seit Jahren zurück. Denn bei den Privatsendern gibt es schon lange einen Trend zu Billig-Produktionen, die aber möglichst viel Quote bringen. Und die Hire- and Fire-Mentalität vieler Privatsender hat diese „unabhängigen Produzenten“ – klingt  jetzt vielleicht zynisch – gänzlich unabhängig gemacht. Aus der Not heraus wird deshalb der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die interessant, die vorher für die Privaten produziert haben.

Die Kultur in den öffentlich-rechtlichen Sendern ist allerdings insgesamt eine sozialere als die der Privatsender, deren Kultur die „unabhängigen Produzenten“ zum Opfer gefallen sind. Nach Möglichkeit versuchen die öffentlich-rechtlichen Sender mit Festangestellten oder festen Freien MitarbeiterInnen zu produzieren. Und das ist gut so! Geregelte Tarife ohne Dumping bei outgesourcten Produktionen. Ohne Neid und mit geregelten Arbeitszeiten und bezahlten oder abgefeierten Überstunden. Das sollte meiner Meinung nach auch bei allen Produktionen so laufen. Dumm nur, dass es da ein Politikum und Machtinstrument gibt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender so versucht zu gängeln. Die KEF – eine Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Vom Grundsatz her eine gute Einrichtung. Allerdings hat diese nicht nur den allgemeinen Finanzbedarf im Auge, sondern auch die Planstellen. Wenn ich ein normales Unternehmen habe, habe ich nur Kosten für mein Produkt. Mir ist es aber egal, ob es Personalkosten oder Sachkosten sind. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist das anders. Da gibt es ein Gremium, dass nicht nur sagt, wie viel Geld insgesamt bereitgestellt werden darf, sonder zusätzlich noch einen Planstellen-Deckel für öffentlich-rechtliche Sender vergibt. Also ein klarer Wettbewerbsnachteil im Vergleich zur freien Wirtschaft, in der es egal ist, ob die Kosten nun für Personal oder für Sach/Material-Kosten anfallen.

Den Wildwuchs der Tochterfirmen bei ARD und ZDF, den die „unabhängigen Produzenten“ kritisieren, ist auch nur eine „Notlösung”. Das eigentliche Problem ist die Trennung der KEF in Personalkosten und Sachkosten. Und die setzt einen Deckel auf Planstellen und damit auf die Personalkosten. Durch die Gründung von Tochterfirmen können aus den Personalkosten Sachkosten werden und großartig Gewinne müssten die Töchter auch nicht abwerfen. So sind diese günstig und können gleichzeitig tariflich bezahlte Arbeit mit geregelten Bedingungen anbieten.

Wie kommen wir raus aus dem Schlamassel?

Die Politik sollte einmal neu über die Kompetenzen der KEF nachdenken. Einen Deckel für alles – egal ob Sachkosten oder Personalkosten. Abgesehen davon sollte auch die Entsendung in die KEF neu geregelt werden. Bisher schicken die MinisterpräsidentInnen der Bundesländer Menschen in diese Kommission. Damit ist diese gleichzeitig ein Spielball der Politik. Hier muss eine breitere Basis für die Entscheidung gefunden werden. Zum Beispiel könnten die Rundfunkräte in den jeweiligen Landesrundfunkanstalten die Entsendung beschließen.

Urteil zur Tagesschau-App – und nun?

Recht bekommen haben die Zeitungsverleger in der ersten Instanz. Na und? Noch mag das vielleicht ein Etappensieg für die Verlage sein. Trotzdem halte ich es für ein grundsätzliches Eigentor. Warum?

Die öffentlich-rechtlichen Sender werden nie so Zeitung sein, wie es die Zeitungen sind. Und das ist genau das Problem. Denn was wird den Medienkonsum in Zukunft ausmachen? Die klassische Zeitung hat da garantiert ausgedient – keine Frage. Aber auch die Attraktivität von textreichen Angeboten hat ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Die Übertragungsraten werden steigen und auch die noch üblichen Begrenzungen fürs Daten-Übertragungsvolumen auf den Handys werden in nicht allzu ferner Zeit der Vergangenheit angehören. Diese Infrastruktur ist Grundlage für mehr Bild- und Ton-Inhalte und textlastige Angebote werden abnehmen. Genau diese Textlastigkeit wird der ARD im Urteil zur Tagesschau zur Last gelegt. Es zwingt die öffentlich-rechtlichen Sender schneller dazu, ihre eigentliche Stärke auszuspielen und wird damit die Verlage noch schneller schwächen und gibt den Verlagen somit auch weniger Zeit, ihre eigenen Angebote den neuen Nutzungsgewohnheiten anzupassen. Denn für die multimediale Schlacht sind die Produktionen der ARD besser geeignet, als die Angebote der meisten Verlage. Denn deren multimediale Auswüchse beschränken sich allzu oft in die Einbettung von Agenturbeiträgen von der Stange, die sich qualitativ nicht gerade auf hörens- und sehenswertem Niveau befinden.

Das kommt davon, wenn die Verlage auf die falsche Strategie setzen und lieber nach aussen schlagen, als sich nach innen besser aufzustellen, um dann auch nach aussen zu glänzen. Mir tut es leid für die Kolleginnen und Kollegen in den Verlagen, die durch eine falsche Politik ihrer Häuser um die rasche Weiterentwicklung gebracht werden und damit immer weiter sinkende Reichweiten haben werden. Allerdings könnte es auch eine Chance für kleine Verlage sein, besser zu sein, als die Platzhirsche, die sich die Zeit mit sinnlosen Prozessen vergeuden, die im Endeffekt ins eigene Fleisch schneiden.

Die Gesellschaft und die Content-Mafia

Content-Mafia ein immer verbreiteterer Sammelbegriff für die großen Verlage für Presse, Fernsehen, Musik und Film. Früher waren die Medien und auch die Verlage eine angesehene gesellschaftliche Instanz als vierte Gewalt im Staat. Wie konnte es so weit kommen? Ein Gesellschaftlicher Abstieg der Medienmacht.

Ein Teufelskreis, der dazu führt. Früher gab es eine breite Landschaft an privaten, kleinen, regionalen Zeitungsverlagen. Es gab viele kleine Zeitungs-Verlage oft im Familienbesitz. Zwar gab es auch damals schon oft Gebiets-Monopole. Dies lag aber auch daran, dass sich eine zweite Zeitung in diesem Gebiet nicht unbedingt gerechnet hätte. Im Zuge der Einführung des privaten Radios und der privaten Fernsehsender zwischen Anfang der 80er und Anfang der 90er, hatten die Verlage Angst vor dem Verfall der Werbepreise. Ein guter Einfluß auf die Politik und und ein gegenseitiges Geben und Nehmen führte dann dazu, dass sogenannte Verlegerprivillege eingeführt wurden und diese sich am privaten Rundfunk (mehrheitlich) beteiligen durften. Eine Konzentration auf zu wenige Anbieter sollte durch die KEK verhindert werden. Eine Kontrollinstanz für die Konzentration im Medienbereich. In der analogen Welt war das auch einigermaßen wirkungsvoll.

Die digitale Welt ist da allerdings etwas anders aufgestellt. Die Netzgesellschaft liebt die Vielfalt und informiert sich sehr breit. Die etablierten Papier-Verlage haben sich aber immer noch nicht an diese neue Zeit gewöhnt. Das Geld über die neuen Verbreitungswege bleibt aus. Statt ihre Redaktionen aufzustocken und so eine (Meinungs-)Vielfalt auch in den Redaktion vertreten zu haben, bringen Berater mit reiner betriebswirkschagftlicher Sicht die Verlage auf den falschen Kurs. Meinungs-Vielfalt wird als “Doppelstruktur” angeprangert, eingestampft und abgeschafft. Wichtige Termine werden statt wie früher von mehreren KollegInnen nur noch von einem Reporter besetzt. Aus JournalistInnen werden Agentur-Copy- and PasterInnen. Das ist günstiger als eingene Leute überall einzusetzen. Auch eine Einordnung der Informationen findet immer weniger statt. Es kostet ja alles Zeit und Geld. Reine Agenturmeldungen können die LeserInnen aber überall im Netz finden. Da bleibt niemand auf der Seite der einen oder anderen Zeitung hängen. Deshalb sind dann wieder weniger Leute bereit, für diese Zeitungen zu zahlen.  Hier schließt sich der Kreis, zumindest in der vereinfachten Form. natürlich spielen viel mehr Faktoren eine Rolle.

Zum einen die enge Verknüpfung von Politk und der Chefetage der Medien. Da wird nicht nur miteinander geredet, sondern die Gesellschaft hat den Eindruck, dass gerade die Verbindung zwischen großen Verlagen und Politik eine sehr innige ist und die Medien es dehalb nicht mehr schaffen, ihrem Auftrag als vierte Gewalt nachzukommen. Verschärft hat den Eindruck nicht zuletzt der letzte Anlauf zur Novelle des Leistungsschutzrechts, in der die großen Verlage weitere Vorteile für sich herausschlagen wollten und auch konnten. Aber der Teufelskreis hat schon viel früher angefangen. Die sinkenden Auflagen der Blätter in Papierform und ein Verfall auf dem Markt der Anzeigenpreise. Auch das gegenseitige aufeinander eindreschen zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Sender, sorgt nicht für ein Überleben. Weder ein Überleben der einen noch der anderen. Es sitzen nämlich alle in einem Boot. Während sich die vierte Gewalt im Staat also gerade selbst abschafft, freuen sich die, die eigentlich von der vierten Gewalt kontrolliert werden sollten: Die Menschen mit Macht. Zum Beispiel in der Politik.

Personalratswahl im WDR

Die Zukunft und die Vielfalt der Medien liegen mir sehr am Herzen. Diese Zukunft gestalte ich in der Politik und in meiner Gewerkschaft ver.di aktiv mit. Sie hängt für mich nicht zuletzt ab von motivierten Kolleginnen und Kollegen. Hierzu ist es auch wichtig, dass die Rechte als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im WDR ernst genommen und durchgesetzt werden.

Seit dem Mitte 2011 gilt in NRW das neue Landespersonalvertretungsgesetz, dass die Mitbestimmung auch im WDR regelt. Darin ist auch die ausdrückliche Mitbestimmung in „Rationalisierungs-, Technologie- und Organisationsangelegenheiten“ geregelt. Auch vor Organisationsentscheidungen, die beteiligungspflichtige Maßnahmen zur Folge haben, ist der Personalrat frühzeitig und fortlaufend zu informieren.

Eine besonders wichtige Neuerung ist, dass nun auch Freie KollegInnen an den Wahlen zum Personalrat teilnehmen dürfen sowie AÜG-Kräfte. Hier geht es, wie bei den Festangestellten, um die Überwachung der Tarifverträge, aber auch um ganz spezielle Arbeitsbedingungen.

Persönlich freue ich mich über die Wiedereingliederung der Belegschaft der WDR Gebäudemanagement GmbH in den WDR zum August 2012. Noch besser wäre es gewesen, die KollegInnen gar nicht erst auszugliedern. Zu solchen Fehlentscheidungen kommt es, weil politisch die falschen Rahmenbedingungen gesetzt wurden und die KEF einen pauschalen Planstellendeckel beschließen konnte. Hier muss politisch nachgebessert werden, damit solche Fehler in Zukunft nicht mehr passieren.

Als Personalratsmitglied gibt es viel zu tun. Prekäre Arbeitsverhältnisse mit immer mehr Zeitverträgen sind ein wichtiges Feld. Auch ich habe lange unter der ständigen Ungewissheit leiden müssen, ob ein Mensch weiter im WDR bleiben kann oder nicht. Auch die zunehmende Arbeitsverdichtung und die daraus entstehenden gesundheitlichen Folgen in der Belegschaft sind ein großes Arbeitsfeld.

Ver.di Seite zur Personalratswahl im WDR.

Ken FM – Kritische Sendung nach Antisemitismus-Vorwürfen von Sender genommenen – Die Radioszene diskutiert

Ken FM, ein Radioformat, dass aus dem Rahmen fällt. Beim RBB-Sender “Fritz” nimmt man sich Zeit, und versucht, die Themen der aktuellen Themen einzuordnen. Manchmal auch mit einem etwas anderen Blickwinkel auf die Dinge. Die letzte Sendung am Sonntag wurde dann kurzerhand abgebrochen. Dazu der Moderator auf Youtube.

Über das Niveau der Sendung, die seit 10 Jahren im RBB läuft, lässt sich stellenweise natürlich streiten, trotzdem ist dieser Kollege ein Radiomacher durch und durch. Er hat das Medium sehr gut verstanden. Einfache Formulierungen werden gewählt und er hilft, Nachrichten einzuordnen. Zumindest gibt er eine Möglichkeit dazu.

Im Vergleich zu anderen Radiosendungen mit einem so hohen Wortanteil, wirkt die Sendung aber verhältnismäßig flach. Das liegt aber vor allem an der einfachen Wortwahl, mit der aber auch ganz andere Menschen für die Themen gewonnen werden können, als bei einer Diskussion auf Presseclub-Niveau.

Noch tiefer als das Niveau der Sendung des RBB-Kollegen ist aber an vielen Stellen das Niveau der Diskussion über die Sendung unter den RadiokollegInnen im “Radioforum“. Allein schon die Wahl des Thread-Titels:

“Ken Jebsen: Demagogie und Antisemitismus auf GEZ-Kosten”.

Allein diese Headline ist Demagogie pur und der Autor “Makeitso” hats nicht gemerkt. Irgendwie verstanden hat das Radio wohl auch der User “webradioo”. Er macht kurzen Prozess und kommentiert den Anreißer zum Thema mit

“Einweisen…”.

Etwas mehr Zeit hat sich “Grenzwelle” genommen:

“..wer soll denn im Gesinnungstribunal der Sender sitzen, und nach welchen Kriterien soll es entscheiden? Ab wenn fällt man denn in Ungnade? Unwillkürlich fällt mir der Fall Eva Hermans ein. Wäre ein Herr Sarrazin nicht Politiker, sondern Journalist geworden, hätte ihn sein Sender auch rausgeschmissen? Wenn man das auf breiter Front macht, haben alle Journalisten nur noch die Schere im Kopf, wobei mir das heute schon oft so vorkommt, wenn ich mir die Programme so angucke und -höre.”

Ganz in meine Richtung geht da die Äußerung von “monotonie” zu diesem Thema:

“Na ich weiß nicht, was Ihr unter Seriösität versteht. Nur die Wiedergabe des Meinungsspektrums der Bundesregierung? Ich bezweifele, dass es “seriöses Verantwortungsbewußtsein” sei, z.B. fundamentale Kritik an der Politik des Staates Israel, die bestimmten Machteliten nicht passt, mit Antisemitismus gleichzusetzen. Und analytisches Hinterfragen der internationalen medien- und machtpolitischen Mechanismen als Demagogie ab zu kanzeln ist für meinen Geschmack mehr als unseriös und würde ich eindeutig als Gesinnungstribunal auffassen. Ich sehe und höre in den Videos (teilweise sicherlich polemisierende) Meinungsäußerungen und Bewertungen von Hintergründen und Zusammenhängen, die sehr wohl in einem staatsfernen ö.-re. Rundfunk einen Platz haben müssen. Wie wäre es mal, die Aussagen inhaltlich zu hinterfragen, denn es werden ‘ne Menge Aussagen thematisiert, die durchaus belegbare, bekannte (aber in der vermeintlich “seriösen” Berichterstattung unterbewerte) Tatsachen sind.”

Ich teile ebenfalls die Auffassung von “Radiokult:

“Jebsen in die rechte Ecke zu schieben, finde ich dann doch reichlich gewagt. Den seine Sendungen waren immer sehr überspitzt und streitbar. Auf der Homepage zur Sendung gibts genügend Beispiele über die man stundenlang diskutieren könnte.”

Wenn man das so deutet, wie es “empire 1970″ macht, also nur eine willkommene Gelegenheit zum absetzen?

“Was hat eine solche Sendung zu dieser Uhrzeit auf einem Jugendradio verloren? talkradio und dann im DLF oder DLR wäre der bessere Platz gewesen. Oder der Zündfunk bei Bayern2. Selbst dort hätte ich wegen der aufgestellten Thesen und Themen keine große Zukunft gesehen. Ihm einen Maulkorb zu schmieden wäre wohl nicht richtig gewesen. Bleibt also nur absetzen?”

Die Ergänzung von “julian david” geht in die selbe Richtung:

“Also anders ausgedrückt: Was hat politische Bildung im Jugendradio verloren? Wie kann der öffentlich rechtliche Rundfunk dem Versuch Jugendlichen eine kritische Betrachtung der Medien beizubringen eine Bühne bieten? In meinem Weltbild ist genau das seine Aufgabe!”

In Weltbild meinem übrigens auch. Es gibt aber auch Leute, die das Medium Radio gerne ausschließlich in den Händen der Bildungs-Elite hätten. Einer davon “laser 558″:

“Mit einem derart grausamen Deutsch macht der Mann wirklich Programm? Ist ein Abitur nicht bei den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern Mindestvoraussetzung?”

Ohne zu wissen, ob der Kollege, über den gesprochen wird, Abitur hat oder nicht. User, die solche Kommentare verfassen, gehören für mich nicht in eine Radio-Redaktion. Denn in einem guten Programm wird verständlich gesprochen, ummöglcihst viele Menschen mit den Inhalten erreichen zu können. Es soll nicht klingen, wie eine vorgelesene Deutsch-Klausur.

Bei allem Frust über das Niveau der user im Radioforum, war ich dann doch ganz froh, dass der User mit dem Einweisen-Kommentar “webradioo” auch zu literarischen Glanzleistungen fähig ist:

“Nach all den Rätseln, die da wären,
bliebe nun wohl noch zu klären,
wer in diesem Sender
war denn der Beender?”

Wenn ich meiner Menschenkenntnis trauen kann, werden sich die Vorwürfe gegen den Kollegen hoffentlich bald in Luft auflösen und die Sendung wird, wie gewohnt, fortgesetzt. In seiner Sendung wirkt Ken durch und durch authentisch. Da passt Antisemitismus auch nicht ins das allgemeine Menschenbild, was der Kollege in seinen Sendunge nach aussen hin vertritt.

Kleiner Nachtrag: Inzwischen hat übrigens auch der Sender reagiert und angekündigt, die Sendung am kommenden Sonntag wieder im Programm zu haben. Mit einem kleinen Haken. Zitat aus der Berliner Zeitung:

“Unklar bleibt zunächst, ob der Sender Jebsen längerfristig beschäftigen wird oder ob sein Vertrag in Kürze beendet wird.”